Wie Arbeit zur Abhängigkeit wird
Ich frage mich immer öfter, welche Rolle die Arbeit, im Sinne von Beruf mit Entlohnung, im Leben eines Menschen einnehmen kann und soll? Natürlich gibt es nicht DIE ideale Lösung und die Meinungen können - und sollen - stark variieren. Jeder soll für sich entscheiden, welchen Wert die Arbeit einnimmt und ob der Lohn auch wirklich zur Deckung der eigenen Bedürfnisse lohnt.
Arbeit ist längst nicht mehr selbstzweckgebunden. In unserer Luxusgesellschaft geht es mitunter um Prestige und Statussymbole, die man sich durch Lohn leisten muss. Aus diesem Grund sehen einige den Sinn der Arbeit nur noch in der Entlohnung; das Leben wird somit zur Sinnlosigkeit degradiert. Wehmütig aber blicklos wird versucht diese Lücke auszugleichen, dem Leben einen Sinn zu geben. Der Sinn lässt sich abermals in der Arbeit finden. Denn es besteht längst eine auf Kapital basierte Abhängigkeit zwischen dem Individuum und seiner Arbeit. Alle durch Werbung künstlich erzeugten Bedürfnisse wollen gedeckt werden; und alle künstlich erzeugten Normen der Gesellschaft wollen erfüllt werden. Es gibt dafür sogar ein stichfestes Argument: Das schafft Arbeitsplätze.
Das Glück bleibt vermutlich auf der Strecke. Fragt man die Workaholics danach, antworten sie im PR-Berater-Deutsch. Es ist ja derweil chic geworden, alles positiv darzustellen. Es gibt keine Probleme mehr, es gibt nur noch “Sachverhalte.” Damit löscht man die Angreifbarkeit aus. Und beraubt sich zuweilen der Erkenntnis, dass es Mut zur Veränderung der Schein-Notwendigkeit bedarf.
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